Sonntag, 19. Mai 2013

Geräusche und die lieben Nerven

Uuuh - ich hab da so ein Hobby, und das können ganz viele meiner liebsten Personen so gar nicht leiden! Trommeln, klatschen, knacken, rascheln... alles was Geräusche macht wird liebevoll minutenlang fasziniert ans rechte Ohr gehalten und manchmal verzückt es mich so sehr, dass ich gar nicht mehr aufhören kann.
Besonders drunter zu leiden hat da wohl mein lieber Freund, der mich schon mehrfach darauf hingewiesen hat, dass das Wasser in Plastikflaschen nicht umbedingt mehr Kohlensäure bekommt, wenn man damit auf der Tischkante versucht die Titelmelodie von Game of Thrones nach zu spielen.
Oft sind solche Lärm-Aktionen dann mit einem erstaunten "Boah! Kannst du es auch hören?" begleitet. wo ich dann meistens irritiert angeschaut werde. Nö, meistens nicht. Es sei denn, ich trommel mal ein Trommelsolo.

Ich liebe Musik. Und dann mag ich sie nicht. Ich bin manchmal ganz schön eingeschnappt, weil ich mich noch an Zeiten erinnern kann, wo ich besser gehört habe. Ich hab sogar gesungen, sogar Solo und hab so einige Musikstunden genommen. Und dann mit einem Mal geht es nicht mehr. Wie soll man denn bitte singen, wenn man sich selbst nicht kontrollieren kann?
Naja, ich kontrolliere mich ja, aber scheinbar hört man da die Töne so völlig anders. Manchmal sind Normalhörende eigentlich nur "Andershörer", oder?

Ich hab heute zum Beispiel ein sehr interessantes Geräuschphänomen gehabt - ich musste ziemlich lachen. Ich habe so einen tollen, quietschtürkisen Gymnastikball - für Gymnastik eben und fürs drauf sitzen. Wenn man auf so einem Ball sitzt, dann ist das stillsitzen schon mal so richtig schwer.
In Runde von Bekannten hab ich mich auf diesem Ball also im Nichtstillsitzen geübt, weil ich langsam ziemlich müde vom Zuhören und Reden wurde.
Und das quietscht eben so schön.
So ein ganz hohes quietschen eben.

Und dann beschwerte sich jemand: "Hör auf, da rumzudonnern!"
Hm?! Donnern? Wenn dann quietscht das ja wohl - nachgefragt und in 5 verwunderte Gesichter geschaut, die allesamt den Kopf schüttelten. Da quietsche nichts, das donnert, ein tiefes, tiefes Grollen, welches alles in Vibration versetzt.
Quatsch - die spinnen doch? Ich hab auf dem Ding gesesssen und hab nicht verstanden, was meine lieben "Andershörer" gehört haben. Und glaubt mir - ich bin geduldig und habe getestet, ob ich auch nach 10 Minuten Nichtstillsitzens das Geräusch endlich hören kann. Das endete natürlich in einem frustrierten Seufzen und einem "Das nervt, lass das! Das Geräusch ist super unangenehm. Das ist so tief, da vibriert der Kopf  von."
Hallo, ihr lieben?! Hört ihr denn das quietschen nicht!? Nein, das hört man nicht. Da saßen sie dann, 5 ganz still und konzentriert und auf der Suche nach dem Ton, den ich beschrieben habe. Und dann ein nicken, jaaaa, irgendwo da quietscht es auch. Ganz leise - aber das Grollen ist so laut, dass es das überdeckt.

Hoppala. Ich sag doch - Anders hören. Ich mag da vielleicht schlechter hören, aber ganz sicher auch ganz viel, ganz anders. Das ist beinahe so, als wenn ich der Meinung bin, dass meine Farbe, die ich schon immer als "rot" gesehen habe, für alle Anderen aber irgendwie nach blau aussieht. Da weiß man doch dann wirklich nicht mehr wo die Realität versteckt sein soll.

Das alles führt mich zu der nächsten Frage: Wie klingen den Stimmen?! Ich habe vor kurzer Zeit einen netten Opernsänger kennengelernt, der Bass singt. Das ist so unglaublich tief und er hat auch eine tiefe Stimme, aber ich hatte nie Probleme ihn zu hören; weil er für mich ganz einfach gar nicht so tief klingt, irgendwie.
Eine Stimme besteht ja nun aus verschiedenen Frequenzen - scheinbar höre ich nur die, die ich hören kann und die andern existieren für mich gar nicht. Das ist so ein bisschen wie ich beim Gewitter immer sitze und laure - wenn ich denn nämlich mal den Donner höre, dann ist er so laut, dass Fenster wackeln und alles um mich herum bebt. Davor hab ich sogar richtig Angst. Obwohl ich früher als Kind gerne mit meinem Vater die Blitze beobachtet habe, mag ich das jetzt gar nicht sehen. Ich werde nervös und gehe lieber rein und schaue weg. Wenn ich keine Blitze bemerke, dann sitzte ich da nicht die ganze Zeit und warte darauf, dass es endlich das kleine Donnererdbeben gibt. 

Aber egal, ob ich jetzt irgendwie Töne nicht mag oder irgendwelche nicht wahrnehmen kann, oder was auch immer - ich bleibe dabei, dass sie mich faszinieren. Ich gehe auch gerne rum, nehme sie auf, spiele sie auf meinen PC um sie dann ganz laut drehen zu können um sie mit einem Kopfhörer dann genaustens mal zu hören. 
Scheinbar muss ich das mal mit dem Gymnastikballdonnern machen - obwohl... so doll interessiert es mich nicht, was meinen lieben Andershörern denn wehtut, wenn sie es hören. Diese unangenehmen Geräusche können sie gerne behalten ;), die müssen sie gar nicht mit mir teilen. 

Einmal, als ich mit meiner Besten durch den wohl größten Marktkauf Lemg...äh Deutschlands gelaufen bin, hatte ich so einen kleinen, weißen Zettel dabei. Wenn man ihn auf besondere Art und Weise unter Spannung gesetzt hat, und dann gewedelt hat, dann hat er ganz hoch und ganz signifikant geknackt. 'KnackKnackKnackKnack'.
Ich war völlig absorbiert von dem Geräusch, als meine Liebe ohne genauere Destination durch die DVD-Regale auf Raubzug für ihre wirklich imposante Filmsammlung ging - und dann ist mir irgendwann die kleine Gruppe von jungen Damen meines Alters und etwas jünger aufgefallen (20-24 etwa, denke ich), die sich kichernd nach mir umsahen, sich wegdrehten und draaaamatisch meine Bewegung mit ihren Händen nachahmten und dabei die Augen verdrehten, als wenn sie gleich ohnmächtig zu Boden gehen würden.
Wow - mir war das auf einmal peinlich. Und es war mir unangenehm, dass ich mich jetzt so fühlte. Mal wieder unverstanden von irgendjemanden Fremdes, der nur oberflächlich entscheiden konnte, was da passierte. Und klar sah das wohl so aus, als wenn meine Konzentration Genervtheit ist, während ich da wartend wie eine Diva stand (zugegeben, nettes Komplimen ;)).
Das war einer der ersten Male, dass ich selbst auf Fremde zugegangen bin, meine Haare zur Seite gezogen habe und mit dem Unbekannten konfrontriert habe. "Ich bin schwerhörig, und dieses Geräusch habe ich noch nie zuvor gehört. Das ist kein Luftwedeln, das ist Neugier. Aber danke für das offensichtliche Lustigmachen."
Spieß umgedreht. Vielleicht ein bisschen unfair von mir, ich geb es ja zu, aber ich hab die Schamesröte in den Gesichtern richtig gefeiert, das gestotterte "Entschuldigung" wie Schokolade genossen und mich hinterher köstlich amüsiert, dass sie sich immer, wenn wir sie im Laden noch mal gesehen haben, ganz schnell woanders hinbewegt haben - immer mit diesem erschrockenem Gesichtsausdruck. 
Manchmal hat man eben das Gefühl, wenn man sich JETZT nicht SOFORT wehrt, dann erstickt man an sich selbst und in Selbstmitleid. 

Tja, und darum hab ich meinen Gymnastikball wohl auch mit einer gewissen Schadenfreude genossen.Da hab ich dann auch gedacht und schließlich gesagt: Es gibt auch Momente, wo man sich wohl wünscht, dass man auch mal nicht hört.
Und nachdem dann einer aus dem illustren Kreis auch noch eingeschlafen ist (nunja, er hat lange gearbeitet ;)), und wohl angefangen hat laut zu Schnarchen habe ich nur gegrinst und mich einen Augenblick darauf gefreut, dass ich auch, wenn ich ein CI haben werde, immer die Möglichkeit haben werde die Welt um mich herum einfach zum Schweigen zu bringen!

Kommentare:

  1. Wie ich es liebe, deine Blogs zu lesen :-)))))

    Tschakkaaa da hast du es den Damen aber gezeigt :D Find ich gut, ich wüsste nicht ob ich soviel Mut gehabt hätte, sie damit zu konfrontieren. Aber ich sollte darüber nachdenken und es beim nächsten Mal zu Herzen nehmen.. Wie war das noch.. "Angriff ist die beste Verteidigung"! Danke, dass du mir das nochmal vor Augen geführt hast :) :**

    AntwortenLöschen
  2. Immer volle Kraft vorraus, Nadine! Wenn man immer nur einsteckt, dann steckt man hinterher fest und kommt nicht wieder aus dem Selbstmitleid heraus :)
    Aber zu der Verteidigung unserer lieben Andershörer dieser Welt muss ich auch sagen, dass viele es einfach nicht *sehen* und sich dann auch überhaupt nicht damit auseinandersetzen können - da ist der Schock, zu erfahren, dass der Gegenüber wohl eine körperliche Beeinträchtigung hat besonders groß.
    Fühl dich gedrückt und danke, danke, danke für deine Kommentare!

    AntwortenLöschen
  3. Oh, deine Konfrontation war SUPER. Es ist leicht, andere für seltsames Verhalten zu verurteilen, wenn man nur einen obeflächlichen Eindruck hat. Umso wichtiger ist es, seinen Horizont zu erweitern. Wenn man weiß, dass man vieles nicht wissen kann, ist man schon weiser. :)
    Und ich lese auch SEHR gerne hier mit. ♥

    AntwortenLöschen
  4. Danke dir, Vrenchen!
    Dann muss ich wohl doch nicht sooo ein großes schlechtes Gewissen haben, die Mädels da richtig überfallen zu haben ;)
    Es bedeutet mir viel, dass ihr euch hierfür interessiert <3 :)

    AntwortenLöschen
  5. Hi Katharina, ich heiße Thomas bin 28 und habe den gleichen Gymnastikball den du auch hast. Ich sitze mich sehr gerne auf den prallen Ball drauf, wenn ich am PC bin!

    LG

    AntwortenLöschen

Hinterlasst mir doch gerne einen Kommentar!